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11/7/2001 4:29:34 AM by
emm
Das Splash!-Festival in Chemnitz, welches am Wochenende vom 21. – 23. Juli stattfand, besorgte uns drei Tage voll mit deutschem Hip Hop und mit nahezu allen bekannten Namen der deutschen Rap-Szene. Während mittags und nachmittags die unbekannteren oder weniger bekannten Bands angesagt waren, gab es abends dann jeweils die ganz grossen zu hören. Main Act des Freitagabends waren Absolute Beginner, die mit ihrer ersten Platte auf einem Major Label, „Bambule“, knapp an Gold vorbeischossen, und die jetzt ein Remix-Album namens „Boombule“ am Start haben. Sixshot.com stellte Denyo einige Fragen zu Markt, Geld und zum Splash!-Festival.
Denyo, jetzt sind wir hier in Chemnitz, 25000 Leute hören deutschen Hip Hop. Vor fünf Jahren, hättest Du Dir das damals denken können?
Denyo: Ne, absolut nicht. Noch vor zwei Jahren, als wir unsere Platte rausgebracht haben, als wir da auf dem Major Label waren, da habe ich halt noch gehofft, dass wir irgendwie 20000 Platten verkaufen würden. Wir dachten, okay, wenn wir 20000 Platten verkauft haben, dann ist das nicht Perlen vor die Säue geworfen, dann ist das geil und dann bin ich auch glücklich. Es wurden dann halt nicht 20000 sondern das Zehnfache oder das X-fache. Dementsprechend war ich auch vor zwei Jahren noch nicht gefasst darauf, aber für uns kommt das irgendwie sowieso nicht drauf an, wir gehen die Dinge ohne Kalkül oder Strategie an, wir machen einfach unsere Tracks, unsere Beats, lassen uns inspirieren...
In Deutschland hat das ganze aber offenbar jetzt einen rie
sigen Hype erfahren. Neue Acts schiessen wie Pilze aus dem Boden, es kommen täglich neue Sachen, es kommen damit auch Leute, die nichts davon verstehen. Ihr seid im Gegensatz dazu schon sehr, sehr lange dabei, habt auch lange im Untergrund Musik gemacht. Wie seht Ihr jetzt diese Entwicklung, Ihr die Euch zehn Jahre entwickeln musstet bis der Erfolg dann da war?
Diese Entwicklung ist gefährlich aus dem Grunde, weil, wie Du ja weißt, obwohl Hip Hop so fett am Start ist, ist halt das Angebot immer noch kleiner als die Nachfrage. All die grossen suchen dann natürlich nach neuen Acts und signen die. Das Problem ist, dass jetzt Leute, die seit einem halben Jahr rappen, sofort gesignt werden. Die entwickeln sich nicht mehr, die haben keine Möglichkeiten, sich selbst musikalisch zu finden. Dann heisst es sehr früh schon mal, Video hier, Maxi da, ich find’ das geil und auch musikalisch ist es nicht immer schlecht, aber es ist selten der absolute Hammer. Und die Gefahr ist dann eben, dass irgendwann einmal der Overkill da ist und solche Gruppen wieder verschwinden werden, denn um seinen speziellen, eigenen Style zu finden, braucht es Übung. Gruppen oder Emcees, die erst seit ganz kurzem dabei sind, die klingen bald einmal alle gleich. Und wenn dann dieser Overkill da ist, dann wird es nur einige wenige Gruppen geben und dazu zähle ich uns halt auch, die die Messlatte immer noch verschieben werden, die immer noch etwas neues kicken können. Ansonsten kann man sich zwar freuen, dass mit Hip Hop Geld verdient werden kann, ich bin natürlich extrem glücklich darüber, auch alle meine Homies, die mit Hip Hop was machen, verdienen Geld, das ist cool, aber es gibt halt auch diese andere Seite, die einen extrem jungen Markt jetzt zwar fördert doch im Prinzip gefährdet.
Du hast ja jetzt eben gerade den Overkill angesprochen und dabei darauf gehofft, dass einige wenige Bands und Emcees überleben und dann das Mass der Dinge sind. Kann es nicht auch sein, dass alles wieder den Bach runtergeht, das alles ebenso schnell, wie es gekommen ist, auch wieder weg sein wird.
Das Ding ist, Hip Hop, ich sage mal etwa 95 Prozent der Gruppen, egal wie ich sie dann musikalisch finde, machen das von Herzen und machen das, weil sie darauf flashen. Und nur fünf Prozent sind Leute wie Oli.... was weiss ich, die sind völlig unwichtig geworden, die gibt es eigentlich nicht mehr. Deshalb kann ich mir auch nicht vorstellen, dass das so Neue Deutsche Welle-mässig wieder untergeht. Das hat jetzt gedauert, bis das Ganze stand, da ist jetzt `ne Szene da, das kannst Du nicht einfach so wieder eliminieren. Natürlich ist es möglich, dass alle Gruppen wieder weniger verdienen und so, aber selbst dann ist es noch fett. Ich sehe die Entwicklung halt ähnlich wie in Amerika, das wird sich dann auf einem gewissen Niveau einpendeln, und dann wird es von dort einfach in alle Richtungen gehen, spezielle Leute kicken spezielle Styles, und so wird das ganze in alle Richtungen laufen. Man dreht sich ein bisschen im Kreis, und dann wird es immer eine Gruppe geben, die noch einen draufsetzen kann, dafür ist Hip Hop auch zu flexibel, es gibt tausend verschiedene Arten von Hip Hop, da ist zuviel Power, das geht nicht vorbei, das ist wie Duracell.
(Gelächter)
Und Du kannst das ja sicher beurteilen, denn Ihr habt ja auch schon vor Ewigkeiten damit begonnen. Wie hat das mit Euch begonnen, denn Ihr besteht als Gruppe ja schon zirka zehn Jahre. Durch was wurde man denn zu dieser Zeit geflasht, was brachte einen damals schon zum Hip Hop?
Wir haben ja noch nicht mal angefangen, wir waren ja schon damals die neue Schule, angefangen haben Advanced Chemistry, angefangen haben die Fantastischen 4, angefangen hat Cora E., haben Sprüher und Breaker. Das war die alte Schule, und wir waren damals schon die neue Schule. Ich habe mir damals `ne Public Enemy-Platte gekauft, weil, ich fand es halt krass, Flavor Flav mit seinen Uhren und dem Afrikazeichen, so ein schwarzer, so dass ich plötzlich gemerkt hab: das ist was neues, solche Leute, die soviel Power haben. Dann hab’ ich halt begonnen, die Sachen vor dem Spiegel nachzurappen, hab’ mit meinem Bruder Geld für Platten gespart und so, und auf einmal war da der derbe Kick für die Sache, ich kann das halt nicht beschreiben, das war einfach nur dieser derbe Style. Wir haben dann ursprünglich auf englisch gerappt, bis wir dann ein Advanced Chemistry-Demo hörten, und seit dann rappen wir eigentlich ebenfalls auf deutsch.
Wie habt Ihr gehookt, wie seid Ihr zusammengekommen?
Angefangen hat das ganze mit Platin Martin und mir, wir haben angefangen. Und dann kam dann nach einer gewissen Zeit Eisfeldt dazu, und noch später kam dann DJ Mad. Aber richtig gefestigt, und die ersten Sachen aufgenommen zusammen haben im Prinzip – so vor neun, zehn Jahren – Platin Martin, DJ Mad, Eisfeldt und ich, Dennis. Ich hab’ mich damals noch nicht Denyo genannt sondern Dennis.
Jetzt ist ja gerade vor sehr kurzer Zeit Euer Remix-Album rausgekommen, „Boombule“. Wie kommt man eigentlich auf die Idee, ein Remix-Album zu machen. Bambule hat sich gut verkauft, und jetzt macht Ihr ein Remix-Album? Wie kommt man darauf, nichts neues zu machen sondern nur zu remixen?
Wir hatten halt keinen Bock so schnell was neues zu machen. Wir hatten halt keine Lust, gleich wieder was neues zu machen, wir machen sonst genug Sachen, die Styleliga, Jan macht ein eigenes Album, ich mach’ ein eigenes Album, Jan produziert noch für D-Flames Album Sachen und so. Das Remix-Album war eigentlich eine Idee von unserem A&R, der sagte: „Hey, passt auf, wir haben mit Bambule nicht ganz Gold gekriegt, und wenn wir ein Remix-Album machen, dann zählt das noch dazu, das heisst, mit dem Verkauf von Boombule bekommt Bambule endlich Gold.“ Das war die Idee, und wir haben gedacht, okay, Scheiss auf Gold, aber die Idee war gut, ein Remix-Album zu machen, besonders weil s das hier halt noch nicht gab, und weil Bambule ein derber Style is’ und so. Und so dachten wir, okay, wir checken halt all die musikalischen Flashköpfe und Gruppen und Emcees, mit denen wir auf einer Wellenlänge sind, und die sollen halt nicht Remixes sondern neue Versionen machen, sie sollen die Beats und die Texte hören, das Stück hören, das sie am meisten flasht und das ganze dann noch einen Schritt weitertragen. Das hat nichts mit Business zu tun, Remixes haben ja oft den Sinn, einfach noch `ne Single zu füllen , wir wollten das hier aber nicht, sondern wir wollten neue, bessere, erweiterte Styles. Und ich fand halt, es ist auch was cooles dabei rausgekommen. Mehr ist es auch nicht, wir scheissen auch auf Leute, die finden, jetzt sollte was neues von AB rauskommen, das neue kommt 2001 raus.
Dein Solo-Album, davon haben wir jetzt noch nie gehört, wann soll das kommen?
Das kommt zusammen mit Jans, Jan macht ein Reggae-Album, Jan Delay, ich mach ein Hip Hop-Album, die beiden Alben bringen wir gleichzeitig raus, so voraussichtlich im November.
Und wie sieht es zukunftsmässig aus, AB-Album hast Du gesagt, kommt 2001, wie sieht es allgemein mit der Zukunft aus, wie siehst Du das allgemein?
Werbung ist nicht mehr wegzudenken, der Erfolg von Hip Hop-Magazinen, auf einmal erhöht sich die Auflage um das vielfache, jeder hippe Sender hat eine eigene Sendung. Es gibt Werbung, was früher Fruchtzwerge war, ist jetzt das neue Album. Viel mehr Geld wird dahinterstecken, viel mehr Leute werden das hören und so, man wird sehen, ich glaube eben, dass es ähnlich wird wie in Amiland, jetzt wird erst mal so `ne R’n’B-Phase kommen, es kommt so was wie Xavier Naidoo, ich mein’, das haben die Leute noch nicht so im Kontext mit Rap gesehen, aber es hat Verbindungen. Hip Hop wird sich auf einem Level einpendeln, und dann sind wir an dem Punkt, wo es mal nach da schiesst und mal in die andere Richtung. Das einzige, was ich hoffe, ist, dass dieser Battlescheiss einfach dann mal aufhört und so, dass nicht Berliner Gruppen nach Hamburg kommen und sich gegenseitig die Fresse einschlagen, dass das ganze erstens friedlich bleibt und dass, wenn man battlet, auch die Ironie dahinter checkt. Wir sind noch lange nicht am Ende, ich seh’ das sonst geil.
Vielen Dank für das Interview!!!
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